Worum es geht

Café Pause ·
Café am Ende des Universums


So nenne ich es für mich. An der Tür steht es nicht — aber das ist, was dieser Ort ist: eine Pause. Ein Ende des Universums, an dem die normale Zeit nicht mehr gilt.

Warum ich das brauche, trage ich auf der Haut. Vor drei Jahren kam die Diagnose — Parkinson, noch unheilbar —, kurz nachdem ich einen nahen Menschen plötzlich verloren hatte. In diese Zeit hinein habe ich mir vier Worte tätowieren lassen: all we have is now. Kein Kalenderspruch. Eine Tatsache, mit der ich seither lebe, jeden Tag.

Ich habe gelernt, gut mit den Symptomen umzugehen. Ich weiß, was mir guttut. Und ich weiß, was die meisten verdrängen dürfen und ich nicht mehr: Die Zukunft ist nicht berechenbar. Ich habe es nur früher schwarz auf weiß bekommen als andere. Seitdem kann ich es mir schlicht nicht mehr leisten, Dinge zu tun, die ich nicht mehr tun will. Als zweifacher Vater weiß ich sehr genau, wofür die Zeit da ist.

Deshalb läuft die Espresso-Maschine schon, während die Kisten noch nicht ausgepackt sind. Ich habe aufgehört zu warten.

Davor war ich lange woanders. Geboren in Bonn, seit 17 Jahren in Bremen — aber zuhause erst, seit ich 2019 nach Walle zog: bunt gemischt, echte Menschen, eine Sozialstruktur, die trägt. Ich habe internationales Politikmanagement studiert, einen Master in transkulturellen Studien gemacht, jahrelang für soziale Träger gearbeitet. In diesen Strukturen habe ich mich nie richtig aufgehoben gefühlt — meine freigeistige, kreative, quirlige Seite hatte darin keinen Platz, und den echten Umgang mit Menschen habe ich vermisst. Das Café ist der Ort, an dem ich beides endlich lebe.

All we have is now. Jeden Atemzug schätze ich, weil ich gelernt habe, dass er nicht selbstverständlich ist. Sein Leben zurückzukalibrieren tut weh. Man macht es trotzdem — und dann macht man weiter, und trägt einander dabei.

Vor vielen Jahren, im Zivilersatzdienst, war ich im Grenzgebiet zwischen Israel und Palästina. Mitten im Bedrohungsszenario habe ich auf beiden Seiten so viel Lebensfreude gesehen. Ich dachte nur: Ihr seid euch doch so ähnlich. Warum könnt ihr nicht in Frieden leben?

Aber ich bin kein Träumer mehr, der glaubt, guter Wille allein genüge. Kaum etwas hat mich so geprägt wie der Krieg in der Ukraine. Ich weiß noch, mit welcher vollen Überzeugung ich damals meinen Text zur Kriegsdienstverweigerung geschrieben habe. Die Brutalität von Putins Russland hat mir etwas gezeigt, das ich vorher nicht wahrhaben wollte: dass Menschen sehr unterschiedliche Werte haben — und dass Brutalität nun mal Teil dieser Welt ist. Zu glauben, wir seien im Kern alle gleich, ist eine schöne, eher linke Annahme, und ich habe sie geliebt. Aber daraus zu folgern, man verzichte grundsätzlich auf Gewalt — selbst zur aggressiven Verteidigung der Menschlichkeit —, das halte ich heute für falsch. Mein Verweigern damals war ehrlich und nachvollziehbar für den Menschen, der ich war. Heute bin ich jedem dankbar, der Dienst an der Waffe leistet, für unsere Freiheit.

Das ist kein Widerspruch zu dem, was ich hier baue — es ist die andere Hälfte davon. Das Café ist mein Beitrag zur weichen Seite: Menschen zusammenbringen, zuhören, Nähe stiften. Aber ich schaue nicht mehr weg von der harten.

Darum baue ich dieses Café. Keine austauschbare Schickimicki-Location. Sondern eine Pause vom Automatismus. Du bestellst Kaffee und bekommst Aufmerksamkeit dazu. Ich höre gern zu.

Woran ich glaube:

Ich leiste mir gerade, die Dinge zu tun, die mich glücklich machen — solange ich es kann, und das ist genau jetzt. Komm vorbei ins Café am Ende des Universums. Mach Pause. Wir haben nur jetzt.

— Ivo

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